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Eingeborene sprachlos

Wednesday, 4. November 2009

Um 17:00 Uhr ist die Praesentation eines Kundenprojektteams fuer die Business-Verantwortlichen, wir sind eingeladen.
Um 15:20 kommt ein Kollege vorbei und bestaetigt, dass eine Stunde auch im Feierabendverkehr ausreichend sei – er sich aber jetzt auf den Weg macht. 15:40 ein weiterer Kollege verabschiedet sich und ruft 5 Minuten spaeter an, ob ich einen US-Kollegen aus dem Hotel abholen und mitbringen kann?
Eigentlich kein Problem, aber es stellt sich heraus der Kollege ist nicht online, und hat auch kein Mobiltelefon. Waehrend ich den Rechner runterfahre und mich auf den Weg (zum Hotel) mache versucht ein anderer Kollege den US-Boy ueber die Rezeption zu erreichen.
16:00 ich stehe vor dem Hotel und warte – es faengt an zu regnen. Keine guten Aussichten!

16:05 – es geht los: Sandton Drive Richtung William Nichols, 15 Minuten fuer ein Stueck, fuer das man normalerweise keine 3 Minuten braucht. Man kann jetzt William Nichols sehen: komplett dicht. Ich sage dem Kollegen, dass wir so keine Chance haben puenktlich zu sein. Ich mache einen U-Turn, ueberlege kurz, ob ich die grosse Variante versuchen soll (ueber Grayston Drive zur Autobahn), aber um diese Zeit M1 Ri Pretoria ist wohl eher nichts, also nach links in die Neigbourhood.

Seinen Weg abseits der Hauptstrassen zu finden ist in Johannesburg fuer einen Ortsunkundigen ein schwieriges Unterfangen: Die Topographie sehr huegelig, die Bach-/Flusstaeler wegen der bisweilen heftigen Regenfaelle naturbelassen, und wegen der vielen protected neighbourhoods enden dann viel Strassen im Nirgendwo.

Ich lasse mich vom Navi, das mich am liebsten immer wider zurueckleiten will, nicht beirren. Es geht ganz gut voran, bis 300 m vor William Nichols – jetzt geht nichts mehr. Ich greife zum Stadtatlas. Ueber Ballycore muesste man Wiliiam Nichols weiter im Norden erreichen. Ich schlage mich dahin durch, und dort ist auf William Nichols freie Fahrt. Ich sage dem Kollegen, dass wir noch eine Chance haben knapp puenktlich zu sein, wenn alles so weiter geht, dass wir aber noch ein Hindernis vor uns haben: die Autobahn-Bruecke und -Auffahrt – dort ist eine Baustelle. Die Ampel am Bryanston Medical Center ist rot – ein Anruf: Kollege Nr. 2 teilt die Lage mit, er steht vor der Autobahn, der andere Kollege irgendwo zwischen uns. Der Kunde ist informiert, wir werden zu spaet sein: die Praesentation wird ohne uns beginnen.

25 Meter vor der Ampel: 3 Ampelphasen, max 2 Meter bewegt. Hier laeuft doch Mainstreet parallel rechts von William Nichols. Die fuehrt zwar in der Folge recht weit von meinem Ziel weg, aber sie bietet die Moeglichkeit ueber die Autobahn zu kommen. Ich schlage mich von der mittleren Spur auf die Linksabbiegerspur. Es geht voran, aber eigentlich muss ich ja nach rechts. Also wuchte ich den Truck in einer 125 Grad-Kehre¬† um die Ampel und auf gehts mit sanfter Gewalt ueber die Kreuzung und dann Richtung Main. Dort dichter Verkehr, aber er laeuft. Endlich Witkoppen Road, dort jetzt nach links, dann am ersten Shopping Center in Fourways nach rechts und ueber die Parkplaetze der Shopping Center und Verbindungsstrassen fast in Luftlinie zum Office-Park des Kunden. Gott sei Dank gibt es direkt am Zielgebaeude einen Parkplatz und es ist auch noch jemad da, der uns rein und zum Konferenzraum laesst. Wir sind knapp 10 Minuten late. Nach weiteren knapp 10 Minuten geht die Tuer auf und die beiden Kollegen kommen herein. Sie schauen mich an wie eine Fata Morgana. Nachdem sich das staunen gelegt hat: “Wie kommst Du denn hier her? Du warst doch hinter uns!”